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Midterms in den USA: Was sagt die Finanzmarkthistorie?

„Affordability“, also Bezahlbarkeit, lautet das zentrale Thema der kommenden Wahlen zum US-Kongress. Je höher die Preise für Lebensmittel, Energie und Mieten steigen, umso tiefer sinkt die Beliebtheit von Präsident Trump. „Die Wahl am 3. November wird faktisch zum Referendum über Inflation und Lebenshaltungskosten“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. Die Wähler hoffen auf eine Trendumkehr. „Für die Märkte zählt weniger der Gewinner als vielmehr, dass die Unsicherheit endet“, so Fischer.

Die Ausgangslage bei den sogenannten Midterms ist für die Republikaner schlecht. Derzeit halten sie den Senat mit 53 zu 47 Sitzen, im Repräsentantenhaus haben sie mit 218 Abgeordneten nur fünf mehr als die Demokraten. Doch das spiegelt nur das Ergebnis der letzten Wahl wider – die Zukunft sieht düster aus für das Trump-Lager. Beim Generic Ballot, einer Art US-amerikanischer Sonntagsfrage, ist der Vorsprung der Demokraten gewachsen. Anfang Oktober lagen sie acht bis neun Punkte vorn.

Eine Belastung für die Republikaner ist der Präsident. Nur noch 37 bis 38 Prozent der Bevölkerung unterstützen Trumps Kurs. Insbesondere der ölpreistreibende Krieg gegen den Iran nagt an seiner Beliebtheit. Laut Prognosemärkten wird die Mehrheit im Repräsentantenhaus wahrscheinlich wechseln. Im Senat dagegen ist die Sache noch nicht entschieden. Der Cook Political Report sieht ein offenes Rennen mit leichtem Vorteil für die Republikaner.

Was den Demokraten in die Hände spielt, ist das zentrale Wahlkampfthema: die Kaufkraft. Inflation und Lebenshaltungskosten dominieren die Debatte. Tanken wird immer teurer, vielerorts sind die Mieten sehr hoch und steigende Zinsen machen den Hauskauf unerschwinglich. Das Schlagwort „Affordability Crisis“ geht um. „Beim Thema Bezahlbarkeit vertrauen die Wähler eher den Demokraten“, sagt Fischer.

Wie könnte die Wahl ausgehen? Im Wesentlichen sind drei Szenarien denkbar. Am wahrscheinlichsten ist eine geteilte Regierung mit einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und einer republikanischen im Senat. Beide könnten sich dann gegenseitig blockieren. „Das bedeutet Stillstand bei Gesetzen, mehr Untersuchungsausschüsse und harte Haushaltsverhandlungen“, so Fischer.

Zweites Szenario ist die „blaue Welle“, bei der die Demokraten beide Kammern gewinnen. „Damit stiege der Druck auf Trumps Zoll- und Nahostpolitik“, betont Fischer. Der Präsident könnte Gesetze aber per Veto blockieren und weiter per Dekret regieren.

Im dritten Szenario halten die Republikaner beide Kammern. Damit würden Deregulierung, Zollpolitik und Steuersenkungen wohl fortgesetzt. „Das wäre die größte Überraschung und würde den Dollar und zyklische Werte kurzfristig stützen“, sagt Fischer.

Unabhängig vom Wahlausgang laufen Zoll-, Sanktions- und Außenpolitik weitgehend per Dekret weiter, die Midterms ändern daran wenig. „Änderungen könnten sich allerdings bei Haushalt, der Schuldenobergrenze und bei neuen Fiskalpaketen ergeben“, so Fischer. „Hier liegt das Risiko.“ Die Trump-Regierung verzeichnet enorme Defizite, im abgelaufenen Fiskaljahr erreichte der Fehlbetrag sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Direkt nach der Wahl drohen damit politischer Streit und ein weiterer „Government Shutdown“, da die Übergangsfinanzierung des Haushalts nur bis zum 11. Dezember läuft. „Das könnte zum Stolperstein werden“, erklärt Fischer.

Midterm-Jahre folgen an der Börse einem eigenen Muster. Laut Carson Investment Research des US-Vermögensverwalters Carson Group verzeichnete der S&P 500 in Midterm-Jahren seit 1950 im Schnitt einen zwischenzeitlichen Rückgang von 17,5 Prozent. Der Tiefpunkt lag oft im September. Danach setzte regelmäßig die Erholung ein: Seit 1950 lag der Index jeweils zwölf Monate nach den Midterms höher, im Schnitt um 16,6 Prozent – unabhängig davon, welche Partei gewonnen hatte. „Entscheidend ist das Ende der Unsicherheit“, sagt Fischer.

In diesem Jahr ist der typische Rückschlag allerdings ausgeblieben, denn Faktoren wie Krieg, steigende Zinsen und hohe Bewertungen prägen die Märkte derzeit stärker als der Wahlzyklus. „Ohne den üblichen Rücksetzer fehlt ein Teil des Aufholpotenzials, die Durchschnittswerte lassen sich daher nicht eins zu eins übertragen“, so Fischer. „Ein Grund zur Sorge ist das aber nicht: Auch in den Midterm-Jahren, in denen der Markt nahe seinem Hoch stand, lag er zwölf Monate später nie im Minus.“

Für einzelne Sektoren spielt die Politik dennoch eine große Rolle. Banken etwa profitieren nur so lange von der Deregulierung, wie die Republikaner den Senat halten. Energiewerte werden derzeit gestützt durch den hohen Ölpreis. Greift die Politik jedoch zu Maßnahmen, um die Preise zu dämpfen, könnte dies einen Abwärtsdruck erzeugen. Ein Sieg der Demokraten dürfte den Sektor Erneuerbare Energien stützen, dessen Förderung Trump drastisch gekürzt hatte. „Das Potenzial bleibt aber durch das Vetorecht des Präsidenten begrenzt“, so Fischer. Im Healthcare-Bereich bleibt unabhängig vom Wahlausgang ein Regulierungsrisiko, da beide Parteien mit Arzneimittelpreisen Wahlkampf machen. Relativ sicher wiederum ist der Rüstungsbereich, denn beide Seiten tragen höhere Verteidigungsausgaben mit.

Fischer: „Anleger müssen sich bis zur Wahl in jedem Fall auf erhöhte Kursschwankungen einstellen, das ist normal und kein Verkaufssignal.“ Auf ein bestimmtes Wahlergebnis zu wetten, hält er für keine gute Strategie, denn die Kursmuster der Vergangenheit verliefen unabhängig vom Sieger. In den Wochen nach der Wahl, auch das zeigt die Historie, bieten sich dann Gelegenheiten für Investitionen.

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